Warum blogge ich eigentlich?

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Meike Leopold hatte eine steile These in den Raum gestellt: Sind Blogs ein Medium von gestern? Ich hatte die Diskussion bei Twitter aus dem Augenwinkel beobachtet, auch auf eine Umfrage geantwortet, aber keine Zeit, mich wirklich mit der Fragestellung auseinanderzusetzen. Meike hat tatsächlich den Eindruck, dass Blogs marginalisiert und gar totgeredet werden. Was eignet sich besser, eine Blogparade ins Leben zu rufen, um ein Stimmungsbild zu erfragen? So entstand die Idee zu #liveloveblog. Witzig, dass ich von Valerie Wagner zur Teilnahme aufgefordert wurde. Wir kennen uns bisher nur über Twitter, aber Social Media wirkt – hier bin ich!

Man kann eine ganze Reihe Fragen rund um die Bloggerei stellen, aber die zentrale Fragestellung, die ich mir herauspicke, ist diese: Warum blogge ich? Was treibt mich dabei an? Ist das Blog ein Medium von gestern und wie sieht die Zukunft aus?

Paradies für Bücherwürmer

Paradies für Bücherwürmer

 

Warum blogge ich eigentlich?

Kurze Antwort: weil ich es will und weil es mir Spaß macht.

In der Realität ist die Geschichte natürlich ein bisschen länger. Mein Job ist die Pressearbeit für die Französische Zentrale für Tourismus, und ich kann mich noch gut erinnern, als die erste Reisebloggerin sich bei uns gemeldet hatte. Damals, 2012, standen wir dem Phänomen Blogger noch vollkommen ahnungslos gegenüber, aber wir waren bereit, uns auf das Abenteuer einzulassen. Der Reiz meiner Arbeit liegt gerade darin, dass alles permanent im Fluss ist, dass Dinge sich entwickeln.

Und irgendwann wollte ich es dann selber ausprobieren. Ganz einfach.

Sturmfreie Bude, Düsseldorf

Sturmfreie Bude, Düsseldorf

Wie alles begann

Gerade habe ich noch einmal den Artikel gelesen, den Heike Kraemer, damals noch Kaufhold, vom Blog Köln Format nach unserer Medientournee 2013 geschrieben hatte. Fast werde ich nostalgisch, denn wir lange ist das alles her?

Und seither ist so viel passiert. Heike hat damals tatsächlich einen Stein ins Rollen gebracht. Unzählige Blogger haben sich in der Folge bei uns gemeldet und an unseren Veranstaltungen teilgenommen. Wir haben erste Bloggerreisen angeboten, später ganze Bloggerkampagnen organisiert, etwa zu den Themen Natur und Kultur. Ich habe an Reisebloggertreffen teilgenommen, um zu erfahren, wie Blogger eigentlich ticken. Ich mag die Menschen, mit denen ich arbeite.

Phantastische Kontakte haben sich über die Jahre entwickelt. Eine Kommunikation auf Augenhöhe und die gemeinsame Arbeit an den Projekten – unfassbar viel Arbeit, die seltsamerweise nur auf meinem Schreibtisch gelandet ist, aber es hat ja immer auch extrem viel Spaß gemacht. Ich musste am Anfang viel Überzeugungsarbeit bei den französischen Partnern leisten, und einige haben es dann einfach einmal ausprobiert. Und die Ergebnisse konnten sich sehen lassen. Es sind unzählige großartige Frankreichartikel entstanden. Und ich hatte mir mal das ehrgeizige Ziel gesetzt, jeden Artikal auch tatsächlich zu lesen…

Natürlich gab es auch einige weniger schöne Erfahrungen – geschenkt. Damit will ich keine Energie verlieren. Man lernt halt immer dazu.

Château Depaz

Château Depaz

Pressearbeit vs. Marketing

Haben Blogs einen Mehrwert? Für mich bedeuten Blogs, dass Inhalte ins Netz getragen werden. Authentizität, Ehrlichkeit und eine flotte Schreibe – das sind für mich Existenzberechtigung genug. Und ja, gut geschriebene Texte werden immer ihre Leser finden. Es gibt so viele tolle Blogs, oft auch zu Nischenthemen, die eine gute Ergänzung zu gedruckten Texten sind. Blogger und Journalisten stehen in meinem Verständnis gleichberechtigt nebeneinander und ich versuche, beiden Gruppen jede Unterstützung für ihre Arbeit zu geben, die sie brauchen.

Der Moment, an dem ich den Spaß an der Sache verliere, ist der, wenn aus Blogger Relations plötzlich Influencer Marketing wird. Die Verhandlungen mit Managern empfinde ich als mühsam (vor allem, wenn die ihre Schäfchen nicht wirklich kennen), mir fehlt dann der direkte Kontakt. Vor allem die Tatsache, dass nicht mehr die inhaltliche Auseinandersetzung, sondern die Bezahlung im Vordergrund steht, mißfällt mir. Und macht euch nichts vor: ich merke, wenn ein Artikel nur wegen des Geldes geschrieben wurde, aber die Begeisterung für das Thema fehlt.

Schreibmaschinenträume

Schreibmaschinenträume

Warum blogge ich?

Jetzt schlage ich langsam den Bogen zur eigentlichen Fragestellung, nämlich warum ich eigentlich blogge? Nun, ich hatte schlicht Blut geleckt. Ich habe so viel mit Bloggern zu tun, dass über die Zeit der Gedanke in mir reifte, es selbst einmal auszuprobieren. Ich wollte all die Erfahrungen machen, von denen Blogger mir immer berichtet haben…

Am Anfang standen Instagram und später auch Twitter. Ich mache immer und überall Fotos. Früher habe ich bei Pressereisen sogar einen richtige Spiegelreflexkamera mitgeschleppt, aber mittlerweile habe ich nur noch das Smartphone dabei. Das aber immer und überall. Die praktische Frage ist also: wohin mit all den Fotos? Ich habe noch ganze Rollcontainer voll mit Fotos aus der Zeit, als ich noch analog fotografiert und die Bilder habe entwickeln lassen.

So hat sich dann mein Instagram-Account entwickelt, und ich wurde plötzlich zu Social Media-Walks eingeladen, etwa vom Social Media Club Frankfurt, oder zu Events, die die Frankfurter Museen anbieten. Kunst ist eines der Themen, für die ich mich brennend interessiere. Sogar bei einem richtigen Instawalk war ich schon dabei! Das war eine ganz besondere Erfahrung, über die ich heute noch lache.

Geduldspiel

Geduldspiel

Der Schritt zum eigenen Blog war winzig klein. Ich erlebe so viel, sei es dienstlich ober privat, dass es schade wäre, all das nur als Erinnerung zu bewahren. Vergesslich bin ich nämlich auch noch. Früher hatte ich einmal gesagt, ich schreibe ein Buch über all die Anekdoten und  Katastrophen, die ich bei der Arbeit erlebe. Einige Mitautoren haben sich sofort angeboten, aber das Blog ist viel flexibler, und vor allem kann ich die Geschichte endlos fortschreiben. Alles, war mir irgendwie bemerkenswert erscheint, fliesst hier ein. Und innerlich habe ich schon das Bild vor Augen: ich in ferner Zukunft in einem Schaukelstuhl, mit dem Blog als Rückblick auf mein Leben.

Mein Blog ist ein Sammelsurium an Themen und zugleich ein perfekter Ausgleich zu meiner Arbeit. Ich bin kein Reiseblogger, kann und will das auch nicht sein. Ein bisschen Reise, ein bisschen Kunst und Kultur, eine Prise Social Media. Wie heißt es so schön? Das Genie überblickt das Chaos.

Mein Blog hat übrigens erst im Mai 2020 das Licht der Welt erblickt, diesem fiesen kleinen Virus sei Dank. Ich arbeite immer viel und gerne, aber im März 2020 wurden wir ja alle zwangsweise heruntergefahren. Ganz praktisch hieß das auch, dass ich den Resturlaub abbauen konnte, den ich in den Vorjahren angehäuft hatte. Plötzlich hatte ich Zeit, mir Gedanken zu machen. Und ich hatte den richtigen Mann an der Seite für die technischen Fragen, nämlich den Blogdoktor. Die spannende Frage wird sein, wie viel Zeit ich für das Blog habe, wenn das Arbeitstempo wieder anzieht. Obwohl: im Moment geht es bei der Arbeit richtig rund….

Auf dem Dottenfelder Hof

Auf dem Dottenfelder Hof

Was ist Erfolg?

Ich freue mich natürlich, wenn Leser mein Blog finden. Ich werde jedoch nie – so hoffe ich zumindest – auf die Zahlen schielen und nur noch zu den Themen schreiben, die die besten Leserzahlen bringen. Eine Statistikfunktion hat mein Blog mittlerweile, aber nur, weil ich wissen will, wie viele Leser die einzelnen Artikel tatsächlich haben. Viel wichtiger sind einzelne Rückmeldungen – etwas die von Journalisten auf meinen Artikel zu unserer Medientournee 2020 – oder der Retweet meines Artikels über Casablanca durch den Leiter der deutschen Auslandshandelskammer in Marokko. Daran merke ich, dass es nicht so ganz falsch sein kann, was ich da treibe.

Auf der Arbeit handhabe ich das übrigens genauso: ein Blog muss keine phantastischen Zahlen haben, aber er muss gut gemacht sein und Entwicklungspotential erkennen lassen.

Alles Wissen steckt zwischen diesen Buchdeckeln

Alles Wissen steckt zwischen diesen Buchdeckeln

Und Frankreich?

Ich habe übrigens versucht, die Blogparade nach Frankreich weiterzugeben, denn dort habe ich eine liebe Kollegin, die ebenfalls ein Blog betreibt. Ok, die Frage der Sprache hatte ich elegant ausgeblendet, aber es scheint in Frankreich überhaupt keine Blogparaden zu geben. Auf meine Frage bei Twitter kamen nur ahnungs- und ratlose Rückmeldungen. Das wäre doch eine Aufgabe für die Zukunft, oder?

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11 Kommentare

  1. Danke für diesen tollen Artikel. Mich freut es immer, wenn der Spaß im Vordergrund steht. Das ist viel zu selten Thema. Es geht immer nur um Reichweite, Geld…nein, es soll erstmal Spaß machen – für den oder die SchreiberIn, dann macht es auch dem Leser Spaß.

    • Danke dir, Katrin, für deinen Kommentar! Mir geht es tatsächlich nur um den Spaß, denn ich mache das ja in meiner Freizeit. Ich glaube, wenn ich anfangen würde, nach der Reichweite zu schielen, dann würde ich das ganze Projekt ziemlich bald aufgeben. Das ist allerdings nicht in Sicht, und ich glaube auch nicht, dass mir so bald die Themen ausgehen.

    • Toller Artikel, danke für die Ehrlichkeit und Begeisterung für ein Thema. Ich blogge auch, aber mehr aus Marketinggesichtspunkten. Ich bin zwar von meinem Thema mehr als überzeugt, schaffe es aber nicht auch mal persönliches zu Bloggen. Wer interessiert sich schon für meine Gedanken und Einsichten und Erlebnisse?

      • Über ein Corporate Blog haben wir auch schon einmal nachgedacht, aber das Tolle an einem persönlichen Blog ist ja, dass ich mich da genau so austoben kann, wie es mir gefällt. Ich muss auf kein offizielles Wording achten, sondern kann so schreiben, wie es mir auf der Zunge liegt. Das ist schon ungemein befreiend. Wenn sich dann auch noch Leser finden, umso besser. Aber wenn nicht, dann ist es auch nicht schlimm. Manchmal ist es ja genau der eine Kommentar, der mehr wiegt als x Likes.

    • Danke, liebe Veronika! Ich hoffe, es geht dir gut. Zu Martinique habe ich auch noch einige Ideen im Hinterkopf, aber im Moment fehlen mir Zeit und Ruhe. Eins ist sicher: ich war viel zu lange nicht mehr in der Karibik.

  2. Liebe Monika,

    vielen Dank für die Erwähnung. Ich freu mich sehr, dass du mitgemacht hast und habe deinen Artikel gerne gelesen. Tolle Einblicke in deine Arbeit und schön, dass du dich für ein eigenes Blog entscheiden hast. In diesem Fall hat Corona etwas Gutes.

    Grüße
    Valerie

    • Vielen Dank für dein Feedback, liebe Valerie! Ganz ehrlich, ich konnte für mich in Corona tatsächlich viel Positives entdecken, und zwar nicht nur ganz persönlich, sondern auch in den Anfragen, die ich auf meinen dientlichen Schreibtisch bekommen habe. Es hängt, denke ich, immer von der Art ab, wie man mit einer Krise umgeht. Ok, jetzt verlieren wir vielleicht alle ein klein wenig die Geduld, aber ich bleibe trotzdem optimistisch.

  3. Hallo Monika,

    ich lese mich mal grade durch die neuen Blogs, die bei Meikes Blogparade mitmachen. Im Prinzip haben alle etwas gemeinsam – wir schreiben den Blog aus dem Bedürfnis heraus unsere Gedanken, Eindrücke Meinungen fest zu halten. Das war ja auch Ureinst, der Gedanke dahinter. Der Blog als ein virtuelles Tagebuch – halt nur öffentlich..
    Ich will deshalb gar nicht so sehr auf deinen Werdegang eingehen – was mich wundert ist, dass es in der französischen Blogospähre keine Blogparade gibt.
    So etwas gibt es in Deutschland doch schon ewig. Selbst an Blog-Marathons kann ich mich noch erinnern. Der Unterschied zwischen den beiden ist, dass es beim Marathon darauf ankommt zu gewinnen. Der Plot kurz erklärt: Jeder Blogger hat x Stimmen, die er an andere Blogs verteilen kann. Jeden Tag wird gezählt. Der Blog mit den wenigsten Stimmen fliegt aus dem Marathon. Die restlichen machen weiter. Die rausgeflogenen dürfen natürlich nicht mehr abstimmen.. Das war schon recht lustig, was man manchmal sah.. Das könnte man eigentlich auch mal wieder machen um zu zeigen, dass die Blogospäre lebt..

    • Danke für deine ausführliche Rückmeldung, Peter! Von einem Blogmarathon habe ich tatsächlich noch nie gehört, glaube aber auch nicht, dass das Format mich interessiert. Die Menschen und ihre Blogs sind doch viel zu unterschiedlich, als dass man sie miteinander in einen Wettbewerb bringen sollte, und jedes Blog hat doch seine ganz eigene Existenzberechtigung.
      Was Frankreich angeht, so lese ich tatsächlich kaum französiche Blogs. Ich habe einfach noch keins gefunden, das mich wirklich gefesselt hätte. Ich habe allerdings von verschiedenen Menschen, die in Frankreich leben und durchaus mit den sozialen Medien vertraut sind, das Feedback bekommen, dass sie von Blogparaden noch nie gehört haben. Mit dem Thema Barcamp ist mir das aber auch so gegangen. Zumindest im touristischen Bereicht scheint das unbekannt zu sein. Vielleicht entspricht aber auch die Kommunikation auf Augenhöhe, wo alle miteinander per du sind, nicht unbedingt den französichen Kommmunikationsgewohnheiten.

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