Die Stille nach dem Sturm

Sturmfreie Bude Alster, HamburgSturmfreie Bude Alster, Hamburg

Freitagnachmittag, ich sitze im Zug und möchte nie wieder den Mund aufmachen, nie wieder sprechen. In mir sind nur Leere und Erschöpfung, aber auch eine tiefe Zufriedenheit: alles ist gut gegangen und die Medientournee liegt hinter mir.

Vier Presseworkshops in vier Städten – wir sind einmal quer durch´s Land gereist, von München über Frankfurt und Düsseldorf nach Hamburg, im Schlepptau unsere Partner – die Pressevertreter aus französischen Regionen, Départements und Städten, gut 20 an der Zahl.

Meine Belohnung am Ende der Woche: zufriedene Partner, von denen recht viele zum allerersten Mal in Deutschland waren, um an unserer Tournee teilzunehmen. Sie haben viel gelernt über die deutsche Presselandschaft, über die Unterschiedlichkeit der Anfragen, mit denen sie konfrontiert werden, und auch über die Ernsthaftigkeit der Deutschen, die oftmals auf ein einziges Wort in der Präsentation reagieren und ganz genau wissen, was sie wollen. Und es hat den Partnern gefallen, sie fahren mit vielen Anfragen im Gepäck zurück nach Hause und haben in den kommenden Wochen und Monaten einiges zu tun, müssen Anfragen bearbeiten, Infos verschicken und Presse- und Bloggerreisen organisieren.

Für mich gibt es noch eine zweite Belohnung: zufriedene Journalisten und Blogger. Menschen, die bei und mit uns einen schönen Abend verbracht haben, die Ideen für künftige Projekte bekommen haben, die ein Glas Wein genossen und lecker französisch gegessen haben. Menschen, die ihre Begeisterung nach außen und in die sozialen Netzwerke tragen. Eine frühere Kollegin hatte sich einmal verwundert darüber geäußert, aber ja, ich mag die Menschen, mit denen ich arbeite, sehr sogar.

Making of … Medientournee

Die Medientournee ist eine Institution geworden. Als ich vor x Jahren (nein, ihr wollt nicht wissen, wie lange das her ist!) in der Presseabteilung angefangen habe, gab es sie schon – kleiner und bescheidener, mit vier oder fünf Partnern. In diesem Jahr waren es 21 französische Regionen, Départements oder Städte, meist 10 Teilnehmer pro Stadt.

Ich bin ja ein unerschütterlicher Optimist, aber jedes Jahr gibt es das gleiche große Zittern, ob wir genügend Partner finden, um die Tournee finanzieren zu können. Ideen zur konzeptionellen Gestaltung entstehen gleich im Frühjahr; sobald die alte Tournee vorbei ist, wachsen die Ideen zur neuen Ausgabe. Das Konzept wird in den Ausschreibungsunterlagen verschriftlicht und wir machen uns auf die Suche nach den passenden Locations. Tante Google leistet hier gute Hilfe, manchmal (längst nicht immer) auch die Convention Bureaus der Städte, aber auch Tipps sind jederzeit willkommen. Wir buchen nichts, was wir nicht vorher besichtigt haben. Papier ist geduldig und Fotos versprechen oft eine kreative Atmosphäre, aber ich muss die Locations tatsächlich gesehen haben, um sagen zu können, ob es passt. Die perfekte Location erkenne ich sofort. Sobald ich den Raum betrete, weiß ich, wo wir die Präsentation halten können und wie ich die Workshoptische der Partner verteilen kann. Die Location soll überraschen, Partner wie Gäste, und tatsächlich buchen wir eher ungern zweimal die gleiche Location.

Gegen die Uhr

Als Deutscher geht man planvoll an alle Aufgaben heran – die Franzosen sind Meister im Improvisieren. Nirgendwo zeigen sich die kulturellen Unterschiede deutlicher als bei der Arbeit. Und das kostet durchaus auch einige Nerven. Ich setze eine Deadline für die Einschreibung und weiß doch im tiefsten Inneren ganz genau, dass diese Deadline nur ein Termin im Kalender ist, der oft genug überhaupt nicht zur Kenntnis genommen wird. Dabei fügt sich auch bei der Medientournee eins ins andere. Es gibt Deadlines für die Anlieferung von Texten und Fotos, die ins Pressedossier und in die Powerpoint-Präsentation einfließen werden. Mein langjähriger Übersetzer in der Normandie ist kampferprobt und fast schmerzfrei: er gibt mir immer unaufgefordert die Termine durch, an denen er tatsächlich mit seiner Familie Weihnachten feiern oder in Urlaub fahren will, hat aber auch schon oft genug über die Feiertage Texte übersetzt. Und es ist bisher immer gut gegangen.

Nach der Winterpause läuft die Zeit dann tatsächlich immer schneller: das Pressedossier und die Präsentation werden erstellt und hier liegt der Teufel oft genug im Detail: im Copyright für die Fotos, in der korrekten Übersetzung der Positionen unserer Partner und in den richtigen Hashtags. Ja, in diesem Jahr war einer zu lang…. Alles muss von den Partnern validiert werden und manchmal kommt die letzte Rückmeldung tatsächlich erst, wenn wir schon im Zug sitzen.

Out of Office in Frankfurt

Out of Office in Frankfurt

Last der Logistik

Neben den inhaltlichen Fragen gibt es natürlich auch die ganz handfeste Logistik. Für die französische Seite: es müssen Hotels (in der Nähe der Bahnhöfe oder der Locations, gemütlich und stylish, mit gutem Preis-Leistung-Verhältnis) und Gruppentickets für die Züge gebucht werden, und dann Taxen für die Transfers vor Ort. Während die Taxen oftmals nur sehr ungern Rechnungen schicken, verlangen immer mehr Hotels Vorauszahlungen. Die Buchhaltung fordert ihren Tribut und das oft genug auch über den Jahreswechsel. Die französischen Buchhaltungssysteme sind oftmals eine echte Herausforderung für deutsche Logik und das liegt nicht nur an der Fremdsprache. Eine wahre Freude im Leben eines Pressesprechers!

Auf der deutschen Seite: die Absprachen mit den Locations gehen in die Feinplanung: Ablauf der Veranstaltung, benötigte Technik, französisch inspiriertes Catering und korrespondierende Weine (abgestimmt auf die anwesenden Partner), Verträge müssen unterzeichnet werden. Nicht immer geht das ganz geschmeidig, aber entscheidend ist, dass bei der Veranstaltung selber niemandem etwas negativ auffällt. Und dazu der auch wichtige Kleinkram: Teilnehmerlisten, Namensschildchen, Tischaufsteller… Habe ich alle Handynummern der Partner?

Los geht´s!

So groß die Anspannung vorher, so großartig sind die Veranstaltungen selber! Wenn die Partner mit einem ´wow´ eine Location betreten. Wenn auch Journalisten kommen, weil tatsächlich die richtige Adresse auf der Einladung stand. Wenn die Gäste die Location noch nicht kannten und erst einmal den Ausblick über Frankfurt, Düsseldorf oder Hamburg bewundern. Wenn sich erste Gespräche entwickeln und es Applaus für die Präsentation und den charmanten Akzent der Franzosen gibt. Wenn Crémant und Wein sowie die Speisen gut ankommen. Dann fällt auch von mir die Anspannung ab und ich kann die Abende genießen, im Dauerquasselmodus und immer in action. Ich freue mich über jeden einzelnen der Gäste und es gibt viele Umarmungen, viel Wiedersehensfreude. Ok, vielleicht freue ich mich nicht so über den einen Vertreter der schreibenden Zunft (aber war er das wirklich?), der quasi im Alleingang das Buffet in einer Stadt abgeräumt und dann auch noch eine Flasche Wein eingesteckt hat…

Ok, kleine Katastrophen passieren immer mal wieder, wobei ´Katastrophen´ auch zu hoch gegriffen ist. Dass ein Orkan über Süddeutschland fegte und den Bahnverkehr durcheinanderwirbelt – das passiert. Wir konnten es letztendlich mit Humor nehmen, dass wir mit unseren wirklich schweren Koffern mehrfach den Zug gewechselt haben, bevor die Reise tatsächlich nur eine Stunde später als ursprünglich geplant losging. Und wir hatten sogar Sitzplätze, weil eine andere Gruppe weniger Glück hatte. Und die Zeit im Zug ist natürlich auch Zeit für den Austausch mit den Partnern. Wir sehen uns ja oft genug nur bei dieser einen Gelegenheit – Zeit für ein Update, nicht nur in dienstlicher Hinsicht. Das macht nicht nur Spaß, sondern erleichtert auch die Arbeit das ganze Jahr über.

Selige Erschöpfung

Nicht nur meine Kollegen und ich sitzen am Freitagnachmittag vollkommen erledigt im Zug, auch bei den französischen Partnern hat die Tournee Spuren hinterlassen. Aber es hat unglaublichen Spaß gemacht! Tief im Inneren kristallisieren sich schon erste Ideen für das nächste Jahr heraus, denn eines ist sicher: die Karawane zieht weiter!

#medientournee #lovemyjob

Teile diesen Beitrag:

10 Kommentare

  1. Toll geschrieben, liebe Monika! Ich erinnere mich fast ein bisschen wehmütig an meine Medientournee 2018… Die „retraite“ ist sehr angenehm, aber ich hab wirklich meine Arbeit sehr geliebt, mit all diesen Kontakten. Nur eine Frage: warum ist Düsseldorf eine „verbotene Stadt“, laut Bildunterschrift des letzten Fotos?
    Liebe Grüsse vom Atlantik!

    • Monika

      Danke für die Blumen, liebe Andrea! Ich freue mich sehr, dass wir in Kontakt bleiben. Ich bin ja aus Köln und die Kölner sind extreme Lokalpatrioten, hängen sehr an ihrer Stadt. Mit Düsseldorf verbindet uns eine Hassliebe, und ganz nach dem Motto ´Was sich liebt, das neckt sich´ frotzeln die Kölner immer über die Düsseldorfer – umgekehrt natürlich auch. Köln ist eine Millionenstadt, aber Düsseldorf hat die Landesregierung. Düsseldorf hat das Geld, aber Köln die Lebensqualität. Bier, Karneval, Fußball, Musik – wenn ich jetzt schreibe, dass Köln immer vorne liegt, dann dreschen gleich die Düsseldorfer auf mich ein, es stimmt aber. Meine Heimatbasis ist in Köln-Ehrenfeld und ich habe es nicht weit bis zur Autobahn – dort ist allerdings Düsseldorf noch nicht einmal ausgeschildert. Wenn du als Kölner in Düsseldorf arbeitest, dann hängst du das nicht an die große Glocke. Die verbotene Stadt eben.

  2. Liebe Monika, du kannst wunderbar schreiben! Und ich habe die Medientourneen immer sehr genossen und konnte aus den Informationen der Partner einiges für unseren Blog nutzen – wenn auch manchmal etwas später als geplant 😉

    • Monika

      Vielen Dank, lieber Sigi! Die Tournee ist tatsächlich eine tolle Veranstaltung. Es geht zwar ordentlich rund, aber es ist auf jeden Fall viel entspannter als eine Messe. Wenn alles klappt, dann kommen wir nächstes Jahr wieder nach Berlin. Ich hoffe sehr, dass uns Corona da keinen Strich durch die Rechnung macht…

  3. Liebe Monika,

    danke! Das ist so schön geschrieben, so warmherzig und einfühlsam. Und auf der Medientournee ist Dir auch immer die Begeisterung und Freude an Deiner Arbeit anzumerken! Eine bessere Botschafterin kann sich die Grande Nation nicht wünschen!

    • Monika

      Lieber Markus, du übertreibst natürlich maßlos, aber ich danke dir sehr für deine lieben Worte! Sie werden mir Ansporn sein.

  4. Manfred Hammes

    So müssen sie sein, die Hintergrundgeschichten! Vielen Dank für diese zusätzlichen Einblicke.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.