Habitation Céron – Im wilden Norden Martiniques

Mächtige BaumriesenMächtige Baumriesen

Manchmal findet man das Paradies ganz unvermutet. Es fing alles mit einem guten Essen an. Wir waren im wilden, ursprünglichen Norden von Martinique unterwegs. Die traumhafte Natur ist eine einzige Einladung an Wanderer und Outdoorfreaks. Dazu kommen lecker warme Temperaturen; die Kleidung klebt am Körper und die Wasserflasche ist schneller leer als man sie nachfüllen kann.

Das Menu als Stilleben - Habitation Céron

Das Menu als Stilleben – Habitation Céron

Cuisine créole

Die Ankunft an der Habitation Céron ist noch recht unspektakulär. Vom Parkplatz läuft man vorbei an einem großen Wasserbecken, in dem – wie wir später erfahren – Flusskrebse gezüchtet werden. Vorbei am Empfangshäuschen, und dann findet man sich plötzlich in einem Restaurant mitten im tropischen Wald wieder.

Ein Restaurant im Tropenwald

Ein Restaurant im Tropenwald

Die ganze Umgebung hat einen eher rustikalen Charme, aber die Hängematte lädt mich sofort zu einer ausgiebigen Siesta ein. Zur Erfrischung werden frische Fruchtsäfte serviert, aber ein Blick auf die Bar sagt mir sofort, dass in der Karibik alle Wege zum Rum führen – immer und überall.

 

Die Bar im Blick - Habitation Céron

Die Bar im Blick – Habitation Céron

Was folgt, das ist eines der köstlichsten Essen, die ich auf Martinique genießen dürfte. Die Habitation Céron hat sich ganz dem nachhaltigen Wirtschaften verschrieben und so werden vorrangig die Produkte der eigenen Ländereien verarbeitet. Dazu ein äußerst sympatischer Service – was will man mehr?

 

Eigentlich ist es mir vollkommen unverständlich, dass man bei karibischen Temperaturen überhaupt essen kann. Ich bin ja der festen Überzeugung, dass ich nur mit frischen Früchten, Wasser und Kaffee auf Martinique ohne Weiteres überleben könnte. Aber es ist einfach so köstlich!

Aus eigener Produktion - Kakao der Habitation Céron

Aus eigener Produktion – Kakao der Habitation Céron

Ganz lieb und harmlos!

Dass es außer gutem Essen noch einiges mehr zu sehen gäbe, deutete sich an, als plötzlich ein Mitarbeiter der Habitation näher kam. Wir waren tatsächlich vom Tisch aufgestanden, um uns etwas Bewegung zu verschaffen, und er sah die Gelegenheit gekommen. „Sie ist ganz lieb und harmlos“ – mit diesen Worten zeigte er uns eine Tarantel.

 

Habt ihr so ein kleines Krabbeltier schon einmal aus der Nähe betrachtet? Ich war wirklich neugierig, zumal die Tarantel schon sehr interessant aussah mit ihren pelzigen Beinen, habe aber dennoch einen gewissen Sicherheitsabstand eingehalten. Immerhin, ich konnte das Smartphone ruhig halten für die Fotos.

Vom Kakao zur Schokolade

Das köstliche Dessert hatte uns schon einen ersten Hinweis gegeben: auf der Habitation Céron gibt es mehr als nur gutes Essen – ganz viel dreht sich um Kakaobohnen und Schokolade!

Her mit der Machete!

Her mit der Machete!

Die Habitation ist heute im Besitz der Familie Marraud. Die Domaine versteht sich als ein ganz eigenes Ökosystem. Erklärtes Ziel ist es, keinen schädlichen Einfluss auf die Erde auszuüben, sondern vielmehr die Produkte der Insel mit all ihren Bestandteilen zu nutzen sowie Kultur und Traditionen zu wahren. Vor einigen Jahren stürzten sich die Besitzer ins Abenteuer Kakao. Alles begann damit, dass sie auf den Ländereien uralte Kakaobäume entdeckt hatten. Und so ließen sie die alte Tradition der Kakaopflanzungen wieder aufleben.

 

Die Habitation ist heute noch 75 Hektar groß und verfügt über eine stolze Sammlung  an Kakaobäumen. Es besteht eine Kooperation mit dem Verband Valcaco, der sich um die Vermarktung des exzellenten Kakaos aus Martinique kümmert. Und Familie Marraud arbeitet mit den Frères Lauzéa, die in Fort-de-France ein sehr sehenswertes Schokoladengeschäft betreiben, zusammen. Mein gut gekühlter Shopping-Tipp für die Inselhauptstadt!

Eine Reise in die Geschichte

Im Jahre 1658 wurde die Habitation Céron von einem der ersten französischen Kolonisten auf Martinique, nämlich Jean Leroux, erbaut. Durch eine Heirat erweiterte er die bewirtschaftete Fläche auf 300 Hektar. Vorrangig wurde damals Zuckerrohr angebaut.

Blick in die Produktionsstätten

Blick in die Produktionsstätten

Neben Zuckerrohr wurden damals – wenn auch in geringerem Umfang – schon Maniok und Kakaobäume angepflanzt. Zeitweise waren mehr als 100 Sklaven auf dem Gelände tätig und man kann sich die alten Wirtschaftsgebäude sowie eine Mühle noch heute ansehen.

 

Doch es folgten im 18. und 19. Jahrhundert die Krise der Zuckerindustrie, Preisverfall und häufige Besitzerwechsel. Im Jahre 1902 brach dann der Vulkan Montagne Pelée aus und zerstörte die damalige Inselhauptstadt St. Pierre. Der Norden Martiniques war zunehmend isoliert und vom wirtschaftlichen Leben abgeschnitten, das sich weiter im Süden rund um die neue Hauptstadt Fort-de-France entfaltete. In den 1930er bekam die Habitation einen neuen Besitzer, der jedoch kurze Zeit später die Zuckerproduktion endgültig einstellte. Die Gebäude waren dem Verfall überlassen, das Gelände der Verwilderung.

Eine Tour durch den Tropenwald

Ist es noch ein botanischer Garten oder schon der tropische Wald? Die Grenzen sind wahrscheinlich fließend, aber fest steht, dass die Natur hier übermächtig ist. Der Mensch erscheint winzig klein neben all den Baumriesen, er verschwindet fast spurlos im dichten Grün der immens hohen Wälder.

 

Und es blüht überall – eine wahre Farbenpracht!

 

Tatsache ist: der Mensch ist winzig klein und vollkommen unbedeutend neben dieser Pracht!

Ein Naturdenkmal: Der Zamana

Ein absolutes Highlight der Habitation Céron ist der Zamana, ein rund 350 Jahre alter Baumriese. Der Zamana stammt ursprünglich aus Lateinamerika und wurde wohl zu Beginn des 18. Jahrhunderts nach Martinique eingeführt. Der Stamm hat einen Durchmesser von 2,5 Metern. Wenn zehn Menschen sich an den Händen fassen, dann schaffen sie es, um den mächtigen Stamm einen Kreis zu bilden. Die Silhouette des Zamanas ist heute das Emblem der Habitation.

Den Zamana fest im Blick

Den Zamana fest im Blick

Das Phantastische: der Zamana hat sein ganz eigenes Ökosystem und reguliert das Klima in seiner Umgebung! Er wird auch ´arbre à pluie´ genannt, Regenbaum, und er schafft es, mit den Pflanzen und Bäumen in seiner Umgebung in friedlicher Eintracht zu leben. Wenn es zu regnen beginnt, dann klappt er quasi seine Blätter zusammen, damit die unter ihm lebenden Pflanzen genügend Wasser abbekommen.

Ein Baum als Klimasystem

Ein Baum als Klimasystem

Wenn die Sonne brennt, dann breitet er sein Laubdach aus und gewährt den unter ihm wachsenden Kakao- und Kaffeepflanzen Schutz. Sagenhafte 5.000 Quadratmeter Oberfläche haben die Blätter des Zamana. Und der Boden unter dem Laubdach bleibt immer schön feucht. Die Natur ist schon ein großartiger Erfinder!

 

Der Zamana auf Martinique ist einer der schönsten Vertreter seiner Art und der größte Baum der Antillen. Er hat einige Hurrikans und Erdbeben überstanden, und steht immer noch fest in der Erde.

Traumhafte Tropen

Der Spaziergang durch den tropischen Wald führt zum heutigen Wohnsitz der Familie, die einen wahrlich traumhaften Ausblick genießen kann.

 

Der Weg führt vorbei an zahlreichen Obstbäumen….

 

… und hinab zum Fluss Le Prêcheur – was für eine Erfrischung für die qualmenden Füße unserer Wandertruppe!

Draußen am Fluß

Draußen am Fluß

Neugierig geworden?

Wenn ihr neugierig geworden seid auf dieses traumhafte Stückchen Erde, dann schaut doch einmal auf der Website der Habitation Céron vorbei! Informationen über Martinique gibt es auf der Website des Tourismusverbandes – sogar in Deutsch. Und dann kann ich euch noch das Blog von Cécilia Laurendon empfehlen: Sugarcane Lane. Ich habe es entdeckt, als ich Informationen über die Geschichte der Habitation Céron suchte, und Cécilia beschreibt eine Vielzahl historischer Gebäude im Land des Rums. Und eine tolle Fotografin ist sie auch!

Offenlegung: ich hatte das große Glück, die Habitation Céron gemeinsam mit einer kleinen Gruppe von Journalisten besuchen zu dürfen, die vom Comité Martiniquais du Tourisme empfangen wurden, und danke unseren Guides und Begleitern für die spannenden Führungen und tiefen Einblicke. Die beschriebenen Eindrücke sind meine eigenen.

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