#DieWeltaufdemTeller: Colombo

Einer der schönsten Strände auf Martinique: Plage des SalinesEiner der schönsten Strände auf Martinique: Plage des Salines

Die wunderbare Wibke Ladwig hat ein Blogstöckchen in die Luft geworfen: Geschichten vom Essen und Kochen – was für ein schönes Thema! Hier könnt ihr alles über Wibkes Aktion nachlesen. Die Grundidee: Essen als Erinnerung und als Wunderwaffe für den inneren Frieden. Inspiration war das neue Buch von Doris Dörrie, ´Die Welt auf dem Teller´ aus dem Diogenes Verlag. Ein Verlag, den ich sehr schätze – nicht nur wegen der Krimis und Kochbücher von Martin Walker, sondern auch wegen unzähliger Begegnungen mit spannenden Autoren und dem überaus sympathischen Presseteam auf der Frankfurter Buchmesse. Und das Buch von Doris Dörrie steht jetzt auf meiner Leseliste.

Essen ist natürlich Erinnerung an die Kindheit, aber was sollte ich über die großartigen Rouladen meiner Mutter oder die Weihnachtsplätzchen meiner Oma schon schreiben? Zumal ich noch nicht mal ein Foto davon habe. Der Geschmack einzelner Lebensmittel oder die Schönheit von Essen? Ich habe das große Glück, eine Arbeit zu haben, die mich in normalen Zeiten, ohne Pandemie, in die besten und authentischsten Restaurants französischer Regionen führt. Zu den ganz typischen Spezialitäten und innovativen Köchen, die alte Rezepte kreativ erneuern. Regionalität und Saisonalität sind selbstverständlich.

 

Tolles Essen ist mit jeder unserer Pressereisen verbunden, denn das immaterielle UNESCO-Welterbe will schließlich ausgiebig gefeiert werden. Eine meiner anstrengendsten Reisen drehte sich übrigens um Sterneküche – fünf Tage mit mehrgängigen Menüs mittags und abends waren einfach zuviel des Guten, auch wenn ich zum Beispiel die Stunden, die wir bei und mit Anne-Sophie Pic verbracht haben, nie vergessen werde. 3 Michelin-Sterne und eine unfassbar positive Energie. Eine Frau, die ihre Küchenbrigade fest im Griff hat.

Es hat ein paar Tage gedauert, bis mir klar wurde, dass Wibkes 5. Frage wie für mich gemacht ist:

Die Welt auf dem Teller: ein Gericht in einem anderen Land, ein Essen aus einer anderen Kultur, gepflückt oder gekauft an einem anderen Ort – nimm uns mit auf die Reise. Woran erinnerst du dich?

Zum Essen in die Karibik: Martinique

Es gib tatsächlich ein Essen, dass mich vor Ort immer absolut begeistert, das ich aber auch Zuhause regelmäßig nachkoche, und zwar ohne dass familiäre Proteststürme entbranden. Ein Essen, mit dem ich mir ein Stückchen Martinique nach Hause hole: Colombo.

Colombo de porc

Colombo de porc

Ich habe leider kein brauchbares Foto, das der Geschmacksfülle von Colombo auch nur annähernd nahe kommt. Dieses Foto stammt aus dem Jahr 2016, und ich kann es selbst nicht fassen, dass ich keine aktuellere Aufnahme habe. Schließlich esse ich Colombo immer, wenn ich auf Martinique bin.

Colombo bezeichnet einerseits die Gewürzmischung, andererseits das Schmorgericht selber, ein ganz typisches Gericht der Karibik, das ich meist mit Hühnchen zubereite. Andere Fleischsorten, Fisch oder Meeresfrüchte können genauso verarbeitet werden – was der Markt gerade hergibt.

Menschen auf Martinique

Menschen auf Martinique

Die Bevölkerung von Martinique ist eine bunte Mischung mit Einflüssen aus den verschiedensten Ecken der Welt – viel Afrika, aber auch Indien und Europa. Unheimlich sympathisch und gastfreundlich. Und die Küche ist genauso bunt. Die Gewürzmischung Colombo zeigt deutliche Einflüsse aus Indien, eine sanfte Currymischung mit Senfsaat, Kurkuma, Bockshornklee, Koriander, Chili und schwarzem Pfeffer. Über die genaue Zusammensetzung der Mischung lässt sich trefflich streiten – sie ist von Insel zu Insel, von Koch zu Koch unterschiedlich. Das Fleisch wird mit der Gewürzmischung und etwas Essig mariniert. Könnt ihr euch die Geruchsexplosion vorstellen, sobald das marinierte Fleisch mit Frühlingszwiebeln und einigen Lorbeerblättern dann in den heißen Kessel gegeben wird? Im weiteren Verlauf werden Süßkartoffel, Kartoffeln, Auberginen und Zucchini zugegeben. Thymian dazu, ordentlich schmirgeln lassen. Schmeckt auch aufgewärmt gut – falls denn etwas übrig bleibt.

Die Markthalle von Fort-de-France

Ich habe versucht, Colombopulver in Frankreich zu kaufen, zuletzt in Dunkerque, aber die Mischung hat mich nicht ganz überzeugt. Ich bin also dazu übergegangen, mir ausreichend große Vorräte direkt in Martinique zu kaufen. Mein bevorzugtes Einkaufsparadies ist dabei die Markthalle von Fort-de-France, und ich habe sogar eine bestimmte Händlerin, bei der ich meine Vorräte aufstocke.

 

Natürlich gibt es viele Gründe, nach Martinique zu reisen – nicht nur das Essen. Es gibt  traumhafte, menschenleere Strände, aber auch eine reiche Kultur. Man setzt sich mit der Geschichte der Sklaverei aktiv auseinander, es gibt viel Kunst zu sehen und auch das Thema Umweltschutz wird ganz groß geschrieben.

Eine Reise für die Sinne

Eine Reise nach Martinique ist immer eine Reise für die Sinne. Es sind nicht nur die optischen Reize: das Blau des karibischen Meeres oder des atlantischen Ozeans, das Grün des tropischen Waldes. Wenn du gerne unbekannte Dinge probierst, dann bleiben hier keine Wünsche offen. Es gibt für Feinschmecker und Gerneesser alles, was das Herz begehrt, vom einfachen Imbiss auf dem Markt oder am Strand bis hin zu sterneverdächtiger Küche, die man in einem Strandlokal genießen kann. Habt ihr schon einmal Bananenketchup probiert?

Bananenketchup, Musée de la Banane

Bananenketchup, Musée de la Banane

Am Rum kommt niemand vorbei

Martinique hat noch ein weiteres Produkt zu bieten, an dem man nicht vorbeikommt: Rum. Ich hatte tatsächlich noch nie Rum probiert, bevor ich erstmals nach Martinique kam, aber dort hat es mich gepackt. 11 aktive Destillerien gibt es noch auf der Insel. Vergesst alles, was ihr bisher an Rum probiert habt! Der Rum aus Martinique ist besser, denn er wird ausschließlich aus Zuckerrohrsaft destilliert und trägt ganz zu Recht das AOC-Label. Mein Tipp: macht einmal eine Vergleichsprobe bei Guy Ferdinand, ´Chef Hot Pants´ und ungekrönter Rum-König von Martinique! Sein Restaurant Le Petibonum ist ein Traum mit Meerblick.

 

So erstaunlich es ist: man kann Rum bei großer Hitze trinken, genauso wie man Colombo bei großer Hitze essen kann. Liebe geht mit karibischer Leichtigkeit durch den Magen.

Le Petibonum, Le Carbet

Le Petibonum, Le Carbet

Lesetipp

Ideale Lektüre am Strand ist ein Krimi aus Martinique, ´Unbescholtene Bürger´ von Raphaël Confiant. Der Autor ist im richtigen Leben Dozent an der Universität von Schoelcher, gleichzeitig aber auch Verfechter einer Literatur in kreolischer Sprache. Ein Vielschreiber mit einem genauen Blick auf die karibische Gesellschaft. Die französische Fassung des Krimis ´Citoyens au-dessus de tout soupçon´ ist um einiges witziger als die Übersetzung, aber man kann es dem  kleinen Litradukt-Verlag gar nicht hoch genug anrechnen, die Literatur der Karibik überhaupt im deutschsprachigen Raum bekannt zu machen.

Unbescholtene Bürger

Unbescholtene Bürger

 

Offenlegung: ich habe Martinique mehrfach mit kleinen Gruppen von Journalisten und Bloggern besucht, die vom Comité Martiniquais du Tourisme empfangen wurden und durfte bei diesen Gelegenheiten Colombo und viele andere Köstlichkeiten der karibischen Küche probieren. Die beschriebenen Eindrücke sind meine eigenen.

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3 Kommentare

  1. Was für ein schöner und ausführlicher Beitrag – Du setzt echt Maßstäbe fürs Mitmachen! 😉

    Herzliche Grüße aus Aachen – leider ohne Fluß, aber mit einem ganz besonderen Dom…

    • Es war einfach zu lecker auf Martinique! Da ist es wirklich leicht zu schwärmen, und ich habe mich ja auf ein einziges Gericht konzentrieren wollen… Vor dem Aachener Dom habe ich letztes Jahr auch gestanden, als ich wegen des CHIO in der Stadt war. Ein schönes Städtchen!

  2. Oh, was für eine schöne Blogstöckchen-Idee! Da gerate ich ja sofort ins Schwärmen und denke an unsere Japan-Reisen, die regelrechte kulinarische Offenbarungen waren. Mal sehen, ob ich das Blogstöckchen aufhebe…

    Viele liebe Grüße
    Jenny

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