Hier ist die Krabbe Königin: Neuharlingersiel

Der Hafen von NeuharlingersielDer Hafen von Neuharlingersiel

Horumersiel, Hooksiel, Bensersiel, Greetsiel – es erstaunt den Flachländer, wie viele Orte an der Nordseeküsten die Endung ´-siel´ im Namen tragen. Dabei ist die Erklärung ganz einfach: all das sind sogenannte Sielorte, und so viele wie an der niedersächsichen Nordseeküsten findet man sonst nirgends. Neuharlingersiel ist einer der schönsten und zugleich Hochburg der Krabbenfischerei.

Gemeinsam ist den Sielorten, dass sie nah am Deich liegen. Seit Jahrhunderten schon wird das Land in Ostfriesland mit Deichen geschützt, und ein Siel ist ein verschließbarer Wasserdurchlass in einem Deich. Den Sielorten ist gemeinsam, dass sie das Wasser aus dem Landesinneren über Entwässerungsgräben in die Nordsee leiten. Dabei lassen sie jedoch kein Meerwasser ins Binnenland gelangen. Oftmals gibt es auch eine Schleuse und einen Hafen.

Blick auf´s Wattenmeer bei Neuharlingersiel

Blick auf´s Wattenmeer bei Neuharlingersiel

Bevor wir in Richtung Hafen gelaufen sind, haben wir einen wunderbaren Blick auf das niedersächsiche Wattenmeer, das zum Weltnaturerbe der UNESCO zählt, geworfen. Um die kleinen Tierchen, die das Wattenmeer bevölkern, dreht sich alles in Neuharlingersiel.

Kleine Krabbe ganz groß

Der Hafen von Neuharlingersiel hat mich absolut begeistert! Alte Kähne, die gemütlich im Wasser plätschern, Fischernetze, die zum Trocknen ausgelegt sind. Diese Motive findet man in allen Häfen der Welt, aber sie begeistern mich jedes Mal auf´s Neue. Für Besucher sind all diese Motive äußerst romantisch, aber der Arbeitsalltag der Krabbenfischer ist hart, die Verdienstmöglichkeiten gering.

 

Im Hafen von Neuharlingersiel wird tatsächlich noch gearbeitet. Es ist kein Museumshafen wie der in Hooksiel, vielmehr gibt es hier noch aktive Krabbenfischer. Nordseegarnele, Granat oder schlicht Krabbe – das sind die Namen des kleinen Nordseebewohners, der zum Wahrzeichen der ganzen Region geworden ist. Äußerlich eine graue Maus: klein und grau, vor allem nicht rosa, wie man vielleicht denken mag. In der warmen Jahreszeit kann er gefischt werden, aber während des Winters verzieht er sich in die kühle Tiefe des Meeres. In Neuharlingersiel können Touristen mit Krabbenfischern ausfahren.

Wie wäre es mit einer Kutterfahrt?

Wie wäre es mit einer Kutterfahrt?

Das kleine Hafenbecken ist schnell umrundet. Das erste Siel wurde 1693 gebaut, als man mit der Landgewinnung durch Deichbau in der Harlebucht begann. Aus dieser Zeit stammt die urkundliche Erwähnung. Seither wurde der Hafen mehrfach erneuert und umgebaut. Der Ort lebte im Laufe der Geschichte unter der Herrschaft verschiedener europäischer Mächte. Mal hatten die Niederlande, mal die Preußen, ja sogar die Franzosen das Sagen. Je nach Gemengelage war Schmuggel sogar einträglicher als Handel.

 

Im 19. Jahrhundert betrieb man hier Handelsschifffahrt und versorgte die zehn Kilometer entfernte Insel Spiekeroog mit Lebensnotwendigem. Seit 1880 betrieb man Küstenfischerei und der Höhepunkt dieser Aktivität war 1958 erreicht, als 27 Krabbenkutter im Hafenbecken lagen.

 

Der Bildhauer Hans-Christian Petersen setzte den Krabbenfischern im Hafen ein Denkmal: die Skulptur eines alten und jungen Fischers an der Stirnseite des Hafenbeckens gibt einen Hinweis auf die unterschiedlichen Lebenswelten von Alt und Jung….

Alt- und Jungfischer

Alt- und Jungfischer

Wir haben den Hafen von Neuharlingersiel mit musikalischer Begleitung besucht, denn ganz in der Nähe der Skulptur hatte ein Straßenmusiker seinen Platz gefunden. Nicht mehr ganz jung, aber mit einer tollen Stimme. Und ein Repertoire von Cat Stevens über John Denver zu Leonard Cohen.

Kaffee oder Tee?

Kaffee oder Tee?

Übrigens: es gibt in Neuharlingersiel auch ein Buddelschiffmuseum! Ein Relikt aus vergangenen Zeiten.

Das Buddelschiffmuseum

Das Buddelschiffmuseum

Das Herrenhaus Sielhof

Gerade in Neuharlingersiel lohnt es sich, den Blick von Wasser und Schiffen zu reißen und einge Schritte ins Hinterland zu gehen. Hier finden sich prächtige Herrenhäuser mit beeindruckender Architektur im traditionellen Backsteinrot.

Was für eine Pracht: der Sielhof

Was für eine Pracht: der Sielhof

Der Sielhof ist heute ein Café-Restaurant, hat aber historische Wurzeln. Mitte des 18. Jahrhunderts wurde hier ein Bauernhof errichtet, von einer Sturmflut später aber stark beschädigt. Ein oldenburgischer Gesandter am Preußischen Hof kaufte das morsche Gemäuer und baute es zu einem repräsentativen Herrensitz um, umgeben von einem Parkgelände mit altem Baumbestand – dem heutigen Sielhof. Auf der Karte: Nordseekrabben….

Teetassenshopping

Seit 1979 ist Neuharlingersiel ein staatlich anerkanntes Nordseeheilbad, aber der Tourismus hinterlässt nur sanfte Spuren. Für mich war´s ein absolutes Shoppingparadies, denn an schönen Teetassen kann ich kaum vorbeigehen…

Lesetipps

Auf die Spur der Krabbe hat mich Andrea Lammert gebracht, die in ihrem Reiseführer ´52 kleine & große Eskapaden in Ostfriedland´ von Dumont ein Wochenende in Neuharlingersiel beschreibt. So viel Zeit hatte ich leider nicht, aber die Ideen waren Gold wert – wie auch die anderen Eskapaden wunderbare Einladungen zur Entdeckung der Schätze Ostfrieslands sind. Andrea hat mir ganz klar vor Augen geführt, dass ich noch einmal wiederkommen muss.

Eskapaden in Ostfriesland

Eskapaden in Ostfriesland

Wer gerne Krimis liest, dem kann ich ´Krabbenbrot und Seemannstod´, den ersten Krimi des Autorenduos Christiane Franke und Cornelia Kuhnert empfehlen. Hochspannung in Ostfriesland, denn der Chef der Krabbenschälfabrik liegt tot im Hafenbecken von Neuharlingersiel. Das Ermittlertrio ist äußerst skurril: eine Grundschullehrerin, ein Postbote und der Dorfpolizist, der von seinen Vorgesetzten nicht wirklich ernst genommen wird… Die beiden Autorinnen werden sicherlich nicht den Nobelpreis für Literatur gewinnen, haben aber eine sehr angenehme Sommerlektüre mit viel Lokalkolorit vorgelegt – zum Lesen vor Ort oder für das Urlaubsfeeling daheim.

Krabbenbrot und Seemannstod

Krabbenbrot und Seemannstod

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1 Kommentare

  1. Maria Gessner

    Schöne Beschreibung von einer Gegend die mir sehr gefallen hat als ich vor vielen Jahren als Schüler diese schöne Gegend besuchen dürfte.

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