Hafenromantik in Hooksiel

Der Alte Hafen in HooksielDer Alte Hafen in Hooksiel

In den vergangenen Jahren war ich wegen verschiedener Barcamps in Wilhelmshafen. Ich weiß, es ist vielleicht nicht ganz leicht nachzuvollziehen, aber mir gefällt das maritime Flair der Stadt, natürlich die Kaiser-Wilhelm-Brücke und die Atmosphäre am Südstrand. Zudem durfte ich im Deutschen Marinemuseum eine der vielleicht besten Museumsführungen überhaupt erleben.

Und dann hieß es plötzlich im letzten Herbst: Get Together am Begrüßungsabend in den Hooksieler Skiterrassen. Ok, über das Wörtchen ´Ski´ bin ich nicht gestolpert, auch wenn ich mich gewundert habe, was Ostfriesland wohl mit Skifahren zu tun haben könnte. Meine erste Assoziation waren Berge, Abfahrt und vor allem Kälte. Und da ich es lieber warm habe, habe ich alle Fragezeichen schlicht ausgeblendet. Eine praktische Frage hat mich jedoch beschäftigt: wie komme ich da hin, nach Hooksiel? Offensichtlich nur mit dem Auto. Der ÖPNV scheint nicht so perfekt ausgebaut. Nicht schlimm. Mein altes Auto hat´s mit letzter Kraft geschafft, und ich habe die Gelegenheit genutzt, mich auch außerhalb von Wilhelmshaven einmal ein bisschen umzusehen.

Von Wilhelmshaven nach Hooksiel

Von Wilhelmshaven nach Hooksiel

Der Weg von Wilhelmshaven nach Hooksiel ist nicht weit, gerade mal 15 km, aber man fährt hinter dem Deich, sieht also nix. Deshalb: unbedingt zwischendrin anhalten und auf´s Meer gucken! Durchatmen.

Und dann: der Strand!

Am Strand von Hooksiel

Am Strand von Hooksiel

Der Strand von Hooksiel ist phantastische 3,5 km lang. Feinster Sandstrand und im Herbst fast menschenleer. Nur wenige Spaziergänger sind hier unterwegs. Umso mehr Platz für mich, dieses wunderbare Licht zu geniessen und den weiten Blick über das Wattenmeer.

Am Alten Hafen

Fährt man weiter, am Wasser entlang und Richtung Ortsmitte, so kommt man automatisch an einem recht großen Parkplatz vorbei. Er alleine war für mich Indiz, dass es hier etwas zu sehen geben müsste. Und richtig, wenn man durch den Ort geht, steht man nach wenigen Schritten plötzlich hier.

Der Alte Hafen von Hooksiel

Der Alte Hafen von Hooksiel

Ein kleiner Hafen, wie aus der Zeit gefallen. Ganz still, trotz strahlendem Sonnenschein ohne Touristentrubel, aber mit ganz viel Seemannscharme.

 

Hocksiel wurde erstmals im Jahr 1479 urkundlich erwähnt, und 1546 entstand das Sielbauwerk zur Entwässerung des Binnenlandes. Der Hafen diente als Umschlaghafen für die Handelsstadt Jever, die ein paar Kilometer landeinwärts liegt.

 

Stellt euch vor: hier blühte einst sogar der Schmuggel! Mit Helgoland. Zu verdanken haben wir das Napoleon, der zwischen 1806 uns 1814 eine Kontinentalsperre durchsetzte. Helgoland stand damals unter britischer Herrschaft und war verbotenes Terrain.

Hooksiel historisch: Mudderboot

Hooksiel historisch: Mudderboot

Hooksiel scheint sichtlich stolz auf seinen alten Hafen, der 1984 saniert wurde. Überall sind Hinweistafeln angebracht, die den Besuchern erklären, was sie sehen. Das Mudderboot zum Beispiel diente dazu, die Fahrrinne frei zu halten.

Hooksiel historisch: der Rettungsschuppen

Hooksiel historisch: der Rettungsschuppen

Den schönsten Blick auf die historischen Packhäuser kann man von der Südseite des Hafens aus genießen. Die alten Speicher stammen aus dem Jahr 1821 und im mitteleren Gebäude war zuletzt eine Jugendherberge untergebracht. Heute finden sich hier ein Hotel, Ferienwohnungen sowie ein Gastronomiebetrieb.

Die Packhäuser in Hooksiel

Die Packhäuser in Hooksiel

Die Terrasse ist wie gemacht für eine kleine Pause. Unsere Entdeckung: eine erfrischende, aber gar nicht süße Limonade aus Apfel und Minze – ideal bei warmen Temperaturen.

 

In Hooksiel

Den Ortskern von Hooksiel bildet die Lange Straße, heute eine pittoreske Fußgängerzone. Viel Backstein ist hier zu sehen, etwa am Geburtshaus von Kapitän Hegemann, der im Auftrag des Preussichen Staates die Arktis erkunden sollte. Sein Schiff ´Hansa´ wurde 1869 zwischen Eisschollen eingequetscht und die Seeleute harrten 200 Tage im Eis aus, bevor sie gerettet wurden.

 

Ein Zwiebelturm weist auf das frühere Rathaus hin. Der Turm mit der imposanten Wetterfahne samt Luther-Schwan ist das Geschenk eines britischen Kapitäns, der sich damit für die Repartur seines Schiffs in einer Hooksieler Werft bedanken wollte. Jetzt ist in dem Gebäude das Muschelmuseum untergebracht.

Und dann ist das noch das Künstlerhaus. Hier werden Ausstellungen und Kulturfahrten organisiert. Wer möchte nicht hier dank eines Stipendiums die ostfriesische Abgeschiedenheit von den Aufregungen der Welt genießen? Ganz frei nach dem Motto ´Jeder Mensch ein Künstler´….

 

Übrigens: bei den Hooksieler Skiterrassen kann man alle mögliche Arten von Wassersport ausprobieren. Wasserski, Wakeboard, Tretboot oder Stand Up Paddle. Die Anlage liegt am Hooksieler Binnentief. Das Land wurde dem Meer abgetrotzt, und Gastronomie ist natürlich auch vorhanden.

Und jetzt noch einmal zum Strand…

Ich kann nicht von hier wegfahren, ohne noch einmal zum Strand zu fahren. Weite geniessen, und das Licht über dem Wattenmeer.

 

Offenlegung

Ich habe Hooksiel erstmals im Rahmen des Tourismuscampus 2019 entdeckt, den die Jade Hochschule Wilhelmshaven gemeinsam mit Ostfriesland Tourismus ganz nach dem Motto ´Praxis trifft Forschung´ organisiert hatte. Mein besonderer Dank gilt Prof. Enno Schmoll, der mit seinem Team alles dafür getan hat, Ostfriesland in einem ganz neuen Licht erscheinen zu lassen. Und es hat gewirkt – ich bin wiedergekommen. Die beschriebenen Eindrücke sind meine eigenen.

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1 Kommentare

  1. Christiane

    Hooksiel – Muscheln sammeln am Strand…im Strandkorb sitzend den großen Pötten nachschauen…beim Radfahren den Schafen am Deich ausweichen…am Alten Hafen mit Blick auf die Krabbenkutter und historischen Packhäuser den Tag bei leckerem Essen ausklingen lassen…

    Hooksiel – immer wieder unser Ort zum Entschleunigen und Seele baumeln lassen!

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