Dänemark, das Land der glücklichen Menschen, hat mich in seinen Bann gezogen! Nachdem ich letztes Jahr Kopenhagen einen Besuch abgestattet hatte, zieht es mich dieses Mal in die zweitgrößte Stadt des Landes – nach Aarhus, in Jütland. Eine junge Stadt mit aktiver Kulturszene und vielen Studierenden – fast wie Kopenhagen, nur kleiner und irgendwie netter, wenn man den gängigen Klischees glauben mag. Ich nehme euch mit auf eine Entdeckungsreise!
Aarhus hat heute gut 300.000 Einwohner und geht auf eine Wikingersiedlung zurück. Bischofssitz ab 948, im Mittelalter dann Entwicklung zu einer florierenden Seehandelsstadt. Der Rückschlag kam mit dem Dreißigjährigen Krieg, der erneute Aufschwung dann mit der Industrialisierung des 19. Jahrhunderts. Heute ist der Hafen das größte Containerterminal Dänemarks. Es zieht mich natürlich gleich ans Wasser. Was kann schöner sein, als einfach nur auf´s Wasser zu gucken?
Aarhus anno dazumal: Den Gamle By
Freilichtmuseen bieten eine perfekte Gelegenheit, in die Geschichte einer Region einzutauchen. Das konnte ich im vergangenen Jahr in Schweden feststellen: In Helsingborg begeisterte mich die Anlage von Fredriksdal und in Lund das Freilichtmuseum Kulturen. Jetzt also in Aarhus eine Zeitreise durch 400 Jahre dänischer Geschichte – im Freilichtmuseum Den Gamle By, das vom Stadtzentrum aus in einem kleinen Spaziergang bequem zu erreichen ist.
Die Geschichte wird in vier Stadtvierteln erzählt und startet – ganz ungewöhnlich für ein Freilichtmuseum – fast in der Gegenwart, nämlich im Jahr 2014. Warum ausgerechnet 2014? Ganz einfach, genau 100 Jahre zuvor wurde Den Gamle By eröffnet. Ich laufe durch eine Einkaufsstraße, deren Schaufenster mir allzu vertraut sind. Spannend, die Einblicke in einige Wohnungen der Zeit: die einer Regenbogenfamilie und einer alleinstehenden Frau.
Dann geht es um 40 Jahre zurück in die Vergangenheit, genauer: ins Jahr 1974 und in eine Einkaufsstraße mit Metzgerei und Radiogeschäft. Der Wohlfahrtstaat und die Frauenbewegung entwickeln sich zwischen 1950 und 1974 und mit ihm liberale Ideen. Neue Wohnformen werden ausprobiert und all das kann man in einem einzigen Haus, das ursprünglich in Viborg stand, sehen. Eine spießbürgerliche Wohnung mit einem laut schnarchenden Opa auf dem Sofa, die Zeitungen auf seinem Bauch und auf dem Boden verteilt, wird dem kunterbunten Zuhause einer Familie der Flower-Power-Generation gegenübergestellt. Die Einrichtung der Wohnung soll unbedingt persönlich sein. Möbel werden selbst gebaut und angestrichen, Kunst direkt auf die Wände gemalt. Manche Küchengerätschaften standen damals auch bei uns zuhause im Schrank.
Die Wohnung einer türkischen Gastarbeiterfamilie darf natürlich nicht fehlen. Sechs männliche Gastarbeiter in einer engen Wohnung, Vater und Sohn in einem Zimmer. Sie arbeiteten in einer Eisengießerei und schickten das verdiente Geld zum größten Teil in die alte Heimat. Herrlich in dieser und auch in anderen Wohnungen die übervollen Aschenbecher zu sehen… So ändern sich die Zeiten.
Ganz anders sieht es beim benachbarten Lehrerehepaar aus. Er ist Volksschullehrer, sie Hausfrau und beiden gemeinsam ist die Liebe zu selbstgebauten Möbeln und der Nähmaschine. Alle Wohnungen, die hier zu sehen sind, wurden in enger Zusammenarbeit mit den früheren Bewohnerinnen und Bewohnern gestaltet. Diese werden auf kleinen Schautafeln mit ihrem Namen und ihrer Geschichte vorgestellt und die Besonderheit ihrer Wohnung erläutert.
Ganz oben, unter dem Dach, wohnt die grönländische Studentin. 1974 wurde ein Drittel aller in Ausbildung befindlichen Grönländer in Dänemark ausgebildet. Mir gefällt der Ansatz, richtige Wohnungen ins Freilichtmuseum zu bringen, ausgesprochen gut. Die Macher haben sich die Entscheidungen sicher nicht leicht gemacht, welche Wohnungstypen sie darstellen wollen. Lebendige Geschichte in jedem Fall. Ob sich meine Wohnung in einigen Jahren auch in einem Museum wiederfindet?
Äußerst charmant ist auch der Frisiersalon aus dem Jahr 1974. Anni Pedersen richtete ihn 1971 in Balle, in der Garage der Eltern ein. Friseursalons waren der häufigste Ladentyp in dänischen Städten – einfach einzurichten auf wenigen Quadratmetern, und schon ist die berufliche Existenz gesichert.
Sehenswert auch die Wohnung von Fräulein Sneum! Sie war Rektorin einer Schule in Frederiksberg. Die Möbel erbte sie von ihren Eltern. Das Arbeitszimmer und der Schreibtisch gehörten schon ihrem Vater Axel Sneum, der für die Sozialdemokraten im dänischen Parlament saß. Leben in einem Museum, im wahrsten Sinne des Wortes.
Weiter geht die Zeitreise ins Jahr 1927. Moderne Zeiten für die Städte, mit Reklametafeln an den Giebeln und einer altertümlichen Tankstelle. Hier hat der Buchhändler sein Geschäft für Papierwaren, Bücher, Stifte und Tinte und ganz in der Nähe zeigt das Autohaus blank polierte Schätzchen der 1920er Jahre.
Das älteste Haus in Den Gamle By stammt aus der Mitte des 16. Jahrhunderts. In der alten Stadt des Jahres 1864 sieht man all das, was man am ehesten in einem Freilichtmuseum erwarten würde: Fachwerkhäuser, Kopfsteinpflaster und Pferdekutschen, mit denen heute nur noch Besucher über das Gelände gefahren werden. Auch alte Gärten sind zu bestaunen – Nutz- wie Ziergärten. Der Gemüsegarten des Kaufmannshofes deckte den Eigenbedarf der Familie.
Ein echtes Schmuckstück ist die Schule aus Kerteminde, in einem 1741 erbauten Fachwerkhaus eingerichtet. Auf der einen Seite blickt man in die Wohnung des Schulmeisters mit ihrer schlichten Einrichtung.
Auf der anderen Seite der Schulraum, in dem die Kinder sich einst gegenseitig in kleinen Gruppen unterrichteten.
Das Haus, in dem sich die Eilschousche Stiftung befand, wurde 1767 direkt gegenüber des Elternhauses des dänischen Märchendichters Hans Christian Andersen in Odense errichtet. Die Stiftung bot mietfreie Wohnungen für bürgerliche Witwen und ledige Fräulein. Alle von ihnen hatten schon bessere Zeiten erlebt und waren gezwungen, wertvolle Möbel zu verkaufen. Ergebnis: ein recht minimalistischer Lebensstil.
Lille Rosengarden aus Randers beherbergen in einem 1741 erbauten Gebäude kleine Handwerksbetriebe, darunter eine Kerzengießerei und Seifensiederei. Die Wohnräume sind einfach gestaltet und waren niederen sozialen Schichten vorbehalten.
Ich werfe einen Blick in die Schuhmacherwerkstatt und bedauere den auf einem Schemel hockenden Lehrling, bevor ich mir die Produkte der Kupferschmiede anschaue.
Sehr spannend ist auch die alte Apotheke mit all den Gerätschaften anzusehen, mit Hinweisen auf die Gefahren der verwendeten Gifte, und der Garten für Medizinalpflanzen. Einst war es üblich, dass Apotheker Medikamente selbst herstellten.
Der Bürgermeisterhof entfaltet eine ganz eigene Pracht und man kann hier bürgerliche Wohnungen von 1600 bis 1850 bestaunen. In den Sommermonaten wird in Den Gamle By Geschichte auch sehr anschaulich vermittelt. So werde ich Zeugin eines lautstarken Streits zwischen einem Dienstmädchen (?) und ihrem Herrn (??). Ich verstehe kein Wort vom ganzen Drama, das sich hier entwickelt, aber am Ende fliegt ihre Kleidung aus dem ersten Stock auf die Straße.
Auch eine Festwiese gibt es; hier lassen sich historische Spielgeräte ausprobieren. Sogar eine richtige Gärtnerei ist im Freilichtmuseum angesiedelt und wer will, kann sich einige Pflanzen mit nach Hause nehmen.
Unglaublich spannend ist auch das Dänische Plakatmuseum. Der Job lässt mich offensichtlich nie wirklich los, aber all die Plakate aus der langen Geschichte des Tourismus sind zu schön.
Im Botanischen Garten
Direkt neben Den Gamle By bietet sich der botanische Garten für eine Verschnaufpause im Grünen an. Das hügelige Gelände ist Teil des Wissenschaftsmuseums der Universität Aarhus und bietet ganz unterschiedliche Areale – weite Wiesen, ein Arboretum, Rhododendren und Rosengärten. Besonders auffällig ist die runde Kuppel des Gewächshauses. Und das hat es in sich, denn man kann sich die ganzen Pflanzenpracht nicht nur von unten anschauen: der Aufstieg auf eine hölzerne Aussichtsplattform erlaubt es, gleich mehre Klimazonen zu durchqueren. Oben angekommen, mit beschlagener Brille und klatschnass geschwitzt ob der hohen Luftfeuchtigkeit, werde ich mit einem wunderbaren Rundblick auf die Palmen belohnt.
Aarhus ganz modern: Aarhus Ø
Die moderne Seite von Aarhus zeigt sich im Stadtviertel Aarhus Ø, ein junges Viertel, das in den vergangenen Jahren am Hafen errichtet wurde. Schon vom Stadtzentrum aus kann man die ungewohnten Formen der Häuser wahrnehmen und wenn man dort ist, glaubt man sich inmitten eines furiosen Architekturwettbewerbes.
Das vielleicht markanteste Bauwerk und eines der ersten im neuen Stadtviertel ist der Eisberg. Der im Jahr 2013 fertiggestellte Komplex besteht aus strahlend weißen Wohnhäusern, die von einer Zackenlandschaft aus Dächern abgeschlossen werden. Der Eindruck, direkt vor einem riesigen Eisberg zu stehen, wird von den gletscherblauen Glasscheiben der Balkone verstärkt. Ungewöhnlich auch die vielen dreieckigen Fenster. Zu gerne hätte ich einmal einen Blick ins eins der 200 Apartments geworfen, die zwischen 50 und 200 Quadratmetern groß sind. Eine umwerfende Aussicht ist jedenfalls garantiert.
Direkt neben dem Eisberg, am nord-östlichen Ende der Promenade steht gleich das nächste Vorzeigeprojekt: Das Lighthouse Project. Das erste, niedrige Areal wurde 2014 fertiggestellt. Probleme mit dem weichen Untergrund führten zu einer Bauverzögerung und erst 2022 wurde dann der Leuchtturm fertig: mit 142 Metern Höhe ist er das höchste Wohngebäude Dänemarks. Ein echtes Wahrzeichen der Stadt, von weither sichtbar.
Wohnen am Wasser, flanieren entlang der Kanäle zwischen aufregender Architektur und die entspannte Stimmung am Jachthafen, dazu Badestellen, die einen Zugang in das tiefblaue und eiskalte Wasser der Ostsee bieten. Hier kann man es aushalten.
Und die Dänen lassen Besucher nicht verhungern: die Markthallen im Nicolinehus sind nicht weit und bei dem reichen Angebot internationaler Küche findet garantiert jeder sein Glück. Der Streetfood Markt bietet an 12 Ständen Spezialitäten aus Dänemark und aus aller Welt, dazu eine gut bestückte Bar. Genießen kann Speis und Trank in einer ungezwungenen Atmosphäre, drinnen oder draußen.
Die unendliche Brücke
Ein wunderschönes Kunstwerk inmitten der Natur stellt die Uendelige Bro – die Unendliche Brücke – dar. Sie befindet sich am Varna Strand, etwas südlich von Aarhus und ist ein Werk der Architekten Niels Povlsgaard und Johan Gjodes. Ursprünglich war sie als vergängliches Werk in der Reihe Sculptures by the Sea gedacht. Wie gut, dass es anders kam. Heute kann man hier endlos auf dem hölzernen Steg spazieren gehen, immer im Kreis vom Strand auf das Wasser der Ostsee hinaus, während Kinder am Strand spielen oder Schwimmer ihre Bahnen ziehen. Der Ausdruck ´Die Gedanken kreisen lassen´ bekommt hier eine ganz neue Bedeutung und die Brücke ist der perfekte Ort, um dem Trubel der Stadt zu entgehen. Auch auf die Möwen scheint die kontemplative Stimmung ihre Wirkung zu entfalten – sie zeigen keinerlei Bewegung und blicken auf das ruhige Meer.
ARoS Museum für Gegenwartskunst
In Aarhus werden Kunst und Kultur ganz groß geschrieben, und nicht umsonst war die Stadt 2017 Europäische Kulturhauptstadt. Kunst ist vor allem weithin sichtbar: schon beim allerersten Rundgang durch die Stadt sehe ich das farbenfrohe Regenbogenpanorama leuchten, Schatten von Menschen, die darin spazieren gehen.
Was für ein Eyecatcher! Your Rainbow Panorama ist ein Werk des dänisch-isländischen Künstlers Olafur Eliasson, der hier eine begehbare Skulptur schuf. 150 Meter lang ist der gläserne Rundweg, der quasi einen Farbfilter über Aarhus legt. Der Weg leuchtet in allen Farben des Regenbogens, phantastisch verstärkt durch Effekte von Sonne oder auch Regen. 52 Meter Durchmesser hat die Konstruktion auf dem 10. und damit obersten Stockwerk des ARoS.
Im neunten Stockwerk befindet sich eine große Dachterrasse. Bänke und Liegestühle warten auf erholungssuchende Besucher, und auch ein kleines Kiosk garantiert die Versorgung mit dem Lebensnotwendigsten.
Nicht nur das Regenbogenpanorama, das gesamte Bauwerk ist eine absolute Architekturperle. Gegründet wurde das Kunstmuseum bereits 1859 durch kunstinteressierte Aarhuser Bürger, allerdings an anderer Stelle. Im Laufer der Jahre wurde erweitert und umgebaut, und zum 125. Geburtstag gab es dann dank tatkräftiger Unterstützung der Stadt, der königlichen Familie und der Carlsberg Stiftung (von Jacob Christian Jacobsen, dem Begründer der Ny Carlsberg Glyptotek in Kopenhagen) einen Neubau. Aus dem Architekturwettbewerb ging das Aarhuser Architekturbüro Schmidt, Hammer & Lassen als Sieger hervor, 2004 wurde Eröffnung gefeiert.
ARoS – der Name erinnert an die alte Schreibweise des Namens der Stadt und durch die Großbuchstaben an das lateinische ars – ist heute die größte dänische Kunstsammlung außerhalb Kopenhagens. Der Bau ist würfelförmig, mit einer Grundfläche von 52 mal 52 Metern und 43 Metern Höhe. 17.700 Quadratmeter für die Kunst, die eine Zeitspanne vom ausgehenden 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart abdeckt: 1.100 Gemälde, 400 Skulpturen und Installationen, 200 Videos und mehr als 7.000 Zeichnungen, Fotografien und Grafiken zählen zum Schatz des Hauses. Aber das Gebäude hat noch mehr zu bieten: ein Auditorium, eine Bibliothek, ein Café und ein Restaurant und nicht zuletzt ein schöner Museumsshop vervollständigen das Angebot.
Blickfang im Eingangsbereich auf Ebene 4 ist aber zunächst die spiralförmige Treppe, die den Fahrstuhl umschließt. Wie eine Spiralbindung scheint sie die Etagen des Museums zusammenzuhalten. Strahlend weiß leuchtet der Innenraum und die großen Fensterfläche lassen viel Licht durch.
Ich beschließe strategisch, das Gebäude von oben nach unten zu erkunden. Im 8. Stock befindet sich ein Teil der ständigen Sammlung: unter dem Titel Human Nature wird die menschliche Existenz wird im Wandel der Zeiten beleuchtet. Ausgangspunkt ist die Natur in all ihren Erscheinungsformen – Wald und Berge, die See und der Himmel. Dann kommt der Mensch und gestaltet Landschaften, er pflanzt und sät. Die Bibel gebietet, sich die Erde Untertan zu machen, und zugleich erwacht der Forschergeist, die Neugierde, das Unbekannte zu erkunden.
Menschliche Gesellschaften bilden sich mit ihren Netzwerken an Beziehungen, mit der Philosophie setzt das Nachdenken über die Existenz ein. Kunst kann dabei oftmals komplexe Zusammenhänge auf das Wesentliche reduzieren. Es folgen Psychologie als Fähigkeit, Fantasien und Träume auszudrücken und Räume für Interpretation zu schaffen, und Abstraktion als Versuch, zum Wesentlichen der Existenz vorzudringen.
Die Gestaltung der einzelnen Räume in diesem Bereich begeistert mich absolut. Die Räume sind groß und die Wände nicht überladen. Die Werke können atmen und ihren Zauber entfalten. Jedes Schlagwort hat seine eigene Farbe und die Wände leuchten frisch und kräftig. Zum Teil sind die Wände gemustert, ganz so, als blicke man auf die Tapete im heimischen Wohnzimmer. Extrem spannend auch, die vielen, mir weitgehend unbekannten dänischen und skandinavischen Künstler zu entdecken!
Im sechsten Stockwerk geht es weiter mit der ständigen Sammlung und Werken von 1960 bis in die Gegenwart. Hier hockt der Boy des australischen Künstlers Ron Mueck – viereinhalb Meter hoch und 500 Kilo schwer. Hyperrealistisch und zugleich fremdartig und unrealistisch. Neue Perspektiven entstehen und die Kunst bietet einen Weg, die sich rapide verändernde Welt zu verstehen.
Kunst ist eine Möglichkeit, der Welt Sinn zu geben, und für die zeitgenössischen Künstler tun sich weite Themenfelder auf – zwischen Ökologie und Politik. Olafur Eliasson beleuchtet die Interaktion des Menschen mit seiner Umgebung. Beispielhaft dafür steht Your condensation von 2023, in dessen 321 Kristallsphären der Betrachter sich spiegelt.
Auch die Politik spielt eine große Rolle, und der Zusammenbruch des Kommunismus wird zum Thema. Hier sind Werke von Joseph Beuys zu finden – unter anderem seine Rose für die Demokratie.
Der fünfte Stock ist Wechselausstellungen gewidmet. Picasso, Miró, Léger und die Vielstimmigkeit der Moderne – eine Schau mit Werken des Kubismus, der gewohnte Sehweisen auflöst, und des Surrealismus und seinem Blick in die Welt der Träume. Doch es geht auch um das Nebeneinander mit naiver Kunst, spirituell inspirierten Werken und nicht zuletzt Art Brut. Die Ausstellung stellt eine Kooperation mit dem LaM dar, dem Lille Métropole Musée d´art moderne, das unbedingt den Besuch lohnt, aktuell aber wegen Renovierungsarbeiten geschlossen ist. Was für eine Auswahl: von Georges Bracque über Modigliani zu Calder und Jean Dubuffet.
Die zweite Sonderausstellung Weerhoud widmet sich dem Werk des südafrikanischen Künstlers Igshaan Adams, der erstmals in Dänemark zu sehen ist. Aufgewachsen im System der Rassentrennung, versucht er, inspiriert durch den Sufismus, die Auswirkungen erlebter Traumata auf die menschliche Psyche zu beschreiben. Ideen von Staub, Wolken und Atem – umgesetzt in faszinierende, fluffige Kunstwerke.
Die Größe des Museums fordert ihren Tribut und die Stockwerke 3 – Jenkin van Zyl und Lost Property – und 1 mit Alexander Tovborgs Divine Comedy streife ich nur kurz. Die Installationskunst auf Ebene 0 erscheint mir dafür umso spannender. Was mich am meisten fasziniert: Surroundings von Olafur Eliasson aus dem Jahr 2003. Eine begehbare Installation, die jede meiner Bewegungen ins Unendliche vervielfältigt und aus verschiedenen Perspektiven spiegelt. Ein faszinierendes Spiel mit Helligkeit und Dunkelheit.
Dokk1 – Bibliothek der Zukunft
Kultur in einer anderen Form kann man im Dokk1 bewundern – zugleich Staatsbibliothek und Kulturhaus. Der imposante Bau hat einen wunderbaren Platz direkt am Wasser gefunden. 28.000 Quadratmeter Fläche stehen hier zur Verfügung, und zwar nicht nur für Bücher. Die Stadt Aarhus hat hier ihren Bürgerservice eingerichtet, so dass man hier alle möglichen Verwaltungsangelegenheiten erledigen kann.
Auch für Kinder und Jugendliche wird viel in Sachen Medienvermittlung getan. Neben den schönen Spielplätzen im Außenbereich gibt es innen Kinder- und Familienecken, in denen es auch mal hoch hergeht.
Besonders gut gefällt mir die zentrale Halle, mit Sitzplätzen, die einen Blick über das Wasser bieten. Hier ist auch der Gong zu sehen, eine Glocke aus Bronze mit 7,5 Metern Länge, 80 cm Durchmesser und ca. drei Tonnen Gewicht. Wenn in der Uniklinik Aarhus ein Kind auf die Welt kommt, dann können die frischgebackenen Eltern das der Welt durch den Gong kundtun. Eine tolle Idee!
Die Bibliothek bietet viel Platz für Ausstellungen, Leseplätze, kleine Kabinen für konzentriertes Arbeiten, und man kann locker einen ganzen Tag hier verbringen. Im Untergeschoss verbirgt sich ein vollautomatisiertes Parkhaus. Die perfekte Lösung für all jene, die ihre überdimensionierten Fahrzeuge nicht innerhalb der Begrenzungen eines Parkplatzes abstellen können. In Aarhus fährt man einfach in eine Box und muss sich um nichts mehr kümmern.
Aarhus für Schleckermäuler
Natürlich kann man nicht den ganzen Tag auf Entdeckungsreise unterwegs sein, ohne dem Körper Ruhepausen zu gönnen. Was für ein Glück, dass es in Aarhus überall wunderbare Cafés gibt, die nicht nur richtig guten Kaffee anbieten, sondern auch Köstlichkeiten wie die Kanellsnurrer. Ganz ehrlich, von dänischen Zimtschnecken könnte ich mich tage-, nein: wochenlang ernähren!
Es stimmt, dass das Essen in dänischen Restaurants, vor allem Abends, ins Geld geht. Aber es gibt eine Lösung: Street Food! In Aarhus habe ich zwei ausprobiert, zunächst Aarhus Street Food direkt am Busbahnhof und nur wenige Schritte vom Bahnhof entfernt. An einem dänischen Stand gab es hier Morbradgryde, ein Schmorgericht mit Schweinefleisch, Würstchen und Pilzen auf Kartoffelpüree. Klassische Hausmannskost und nicht unbedingt fotogen, aber sehr lecker. Im neuen Stadtviertel Aarhus Ø gibt es die Markthalle Nicolinehus mit 12 Essensständen und Wein- und Bierbar. Küche aus aller Herren Länder, die man drinnen oder draußen genießen kann.
Und sonst noch?
Aarhus bietet seinen Besuchern eine unglaubliche Vielfalt an Entdeckungen und Aktivitäten. Einige Dinge sind mir aufgefallen, nicht nur hier, aber hier ganz besonders:
- Aarhus ist eine Stadt der Fahrradfahrer und das Fahrrad ist ein ganz normales Fortbewegungsmittel. Getrennte Fahrradwege und Fahrradparkmöglichkeiten sind hier ganz normal. Auch wenn die Radler in einem ordentlichen Tempo unterwegs sind, trägt kaum jemand einen Helm. Auf Lastenrädern werden nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene, manchmal ganze Familien transportiert. Verkehrsregeln und Ampeln werden respektiert.
- Aarhuser haben großes Vertrauen in ihre Mitmenschen: sie stellen Kleiderstangen als Miniflohmarkt vor das Haus, daran befestigt ein Zettel mit einer Telefonnummer für mobiles Zahlen.
- Sollte es einmal regnen, so ist das noch lange kein Grund, eine regenfeste Jacke anzuziehen oder gar einen Schirm aufzuspannen.
Wo wohnen?
Wer eine gute und günstige Unterkunft sucht, ist im WakeUp Aarhus gut aufgehoben. Das Hotel liegt direkt am Bahnhof, ideal für Bahnreisende, und die Zimmer bieten alles, was man für einen gelungenen Aufenthalt braucht.
Neugierig geworden?
Aarhus ist die zweitgrößte Stadt Dänemarks und liegt in Jütland, wo sich Nordseefeeling mit Ostseevibes verbinden. Wer mehr über die Stadt und ihre Kulturerlebnisse oder auch Exkursionen in die Natur wissen möchte, ist auf der Seite von Visit Denmark gut aufgehoben. Visit Aarhus informiert über die Stadt und die Region. Allen, die gerne mit einem Reiseführer unterwegs sind, sei der Band CityTrip Aarhus des Reise Know How-Verlags ans Herz gelegt. Der schmale Band von Michael Moll ist der perfekte Reisebegleiter, mit Stadtplan und App, und passt garantiert in jeden Rucksack.
Die unendliche Brücke in Aarhus 

















































Wow, da müsste man wirklich mal hin! Vielen Dank für diese tolle Entdeckung, Monika.